Pflege des 17. Regimentsdenkmal auf dem Germersheimer Friedhof


Vor über 100 Jahren wurde den 17'ern ein Denkmal gesetzt!

Auf dem Germersheimer Friedhof zwischen dem neuen Gräberfeld und den Militärgräbern steht heute ein bereits über hundert Jahre altes, schlichtes Denkmal. Die einfache Tafel kündet von einem Regiment, das in der Garnison Germersheim seinen Standort hatte und einst zur Kerngruppe der Festung gehörte, obwohl auch noch weitere Einheiten in der Rheinstadt lagen. Das 17. Infanterie-Regiment "Orff", um das es sich handelt, wurde am 1. Oktober 1878 durch Zusammenlegung von drei Jägerbataillonen gebildet und dem Oberstleutnant Theodor Eppler unterstellt. Zum Inhaber des Regiments wurde am 3. Oktober 1878 Excellenz Karl von Orff ernannt.

Der Besuch des Prinzregenten Luitpold von Bayern gab Karl von Orff die Möglichkeit, das Regiment am 27. September 1888 Seiner Königlichen Hohet vorzuführen. Auch nach dem Tode Orffs am 31. Januer 1895 behielt das Regiment den Namen bei. Inzwischen hatten viele junge Leute ihre Militärzeit in dieser Einheit abgedient. Das Regiment sowie das Komitee der ehemaligen Siebzehner wollten deshalb ihren toten Kameraden auf dem Friedhof ein bleibendes Gedenken bewahren und errichteten das Denkmal, das am Sonntag, dem 17. Juli des Jahres 1898, eingeweiht wurde. Man beantragte die Verlängerung der Polizeistunde in der Brauerei Schmitt am Königsplatz bis 2 Uhr morgens und sprach die Bitte aus, bei günstiger Witterung den Wirtschaftsbetrieb unter den Bäumen des Platzes zu erlauben. Der Königsplatz sollte entsprechend beleuchtet und alle Gaslaternen angezündet werden.

Der Traditionsverein und das Offizierkorps des ehemaligen 17. Infanterie-Regimentes "Orff" hat es sich zur Aufgabe gemacht, dieses Denkmal und damit verbunden das Gedenken an die verstorbenen Angehörigen dieser Truppe zu pflegen und zu bewahren. Daher trafen sich einige Mitglieder des Vereins am Freitag, dem 15. September 2006, auf dem Germersheimer Friedhof, um mit geeignetem Gerät eine erste, grobe Reinigung der Anlage durchzuführen.

   

Um die Grenzen zu den ehemaligen Feinden ein für allemal zu überwinden, wurden in einem nahezu symbolischen Akt auch die Grabsteine der dort bestatteten Französichen und Russischen Kriegskameraden gereinigt. Der nächste Schritt wird nun die intensieve Pflege und optische Aufarbeitung der Anlage sein. Der Verein ist sich seiner Tradition und deren Werte bewusst und möchte diese auch durch solche Aktionen in der Öffentlichkeit dokumentieren.

   

Zwei Jahrzehnte später hatte das Regiment übrigens in den Kämpfen gegen Frankreich seinen Blutzoll geleistet, als viele der Kameraden fielen. Aber auch in anderer Hinsicht wurde es zum "Schicksal" vieler seiner Angehöriger, wenn sie hier eheliche Bande knüpften. Ein Bataillon des Regiments war in der früheren Seysselkaserne untergebracht, (dem heutigen Fachbereich für Angewandte Sprachwissenschaft und Kultur - FASK), die beiden ersten in der Zollerkaserne, dort, wo heute die Berufsbildendeschule steht, in der die Jugend für einen unblutigen Zweck ausgebildet wird. Zwar trägt diese Straße den Namen des einstigen Infanterie-Regimentes, doch schwinden die Zusammenhänge immer mehr aus dem Bewußtsein.


Ein verdeckter Gedenkstein aus Germersheims Militärgeschichte

Der Plan der historischen Gräber auf dem Friedhof weist ihn zwar aus, doch wer weiß schon, daß es im Feld 1 einen alten Gedenkstein gibt, der für die gefallenen französischen Soldaten des Krieges 1870/71 errichtet wurde?

In Reih und Glied steht er dort, wie viele andere Grabsteine auch, nur der französische Text unterscheidet ihn von seinen Artgenossen. Auf der Vorderseite heißt die in Deutsch übersetzte Inschrift: "Zum Gedächtnis der 1870/71 verstorbenen französischen Soldaten" mit dem Zusatz "Errichtet von ihren Landsleuten".

Ein Bibelwort aus dem Hebräerbrief Kapitel 11, Vers 16, steht in lateinischer Sprache auf der Rückseite: "Sie trachten nach einer besseren Heimat". Die Schrift des von "Renn Speier" angefertigten Steines läßt zu wünschen übrig und die Umgebung ist nicht besonders einladend. Doch wer denkt schon gerne an Krieg und Tod. Dennoch ist es für den Traditionsverein wichtig, auch hier eine Brücke der Völkerverständigung zu schlagen. Deshalb wurde auch dieser Gedenkstein von den Mitgliedern des Vereins gesäubert und gepflegt.

 

1-Quelle: Zeitungsartikel Die Rheinpfalz, 17. Juli 1973, von Reinhold Klotz
2-Quelle: Zeitungsartikel Die Rheinpfalz, 22. Oktober 1980, von Reinhold Klotz


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