Gewehr 88
Fotos u. Bericht: Stefan Merker


Das Gewehr 88 wurde im Jahre 1888 als Ordonnanzwaffe des Deutschen Reiches angenommen, der Name leitet sich von der Jahreszahl ab. Da die preußische Gewehrprüfungskommission (G.P.K.) in Spandau bestrebt war, durch Kombinieren von Einzelkomponenten verschiedener Herkunft das beste Gewehr zu schaffen, trägt es auch den Namen "Kommissionsgewehr".

Durch die Kombination mehrerer Konstruktionen und die überhastete Einführung ergaben sich teilweise gravierende Mängel:

Durch bessere Ausbildung der Soldaten konnten die drei erstgenannten Mängel fast vollständig beseitigt werden. Die Mängel der Laufkonstruktion mit ihren zu flachen Zügen wurden dadurch behoben, dass zunächst alle Gewehre 88 mit tieferen Zügen (0,15mm statt 0,10 mm) ausgestattet wurden. Diese Gewehre bekamen ein "Z" auf die Systemhülse gestempelt. Als ab 1904 auf die S-Patrone mit ihrem weiterem Geschossraum umgestellt wurde, tauschte man entweder die Läufe aus oder rieb die Patronenlager im Halsbereich auf. Diese Gewehre bekamen ein "S" auf die Systemhülse (vgl. Abb. 1).

Die Systeme bekamen eine neue Schlagbolzenmutter mit Gasschild. Die "Schlechtschießer" resultierten oft aus der Tatsache, dass der Laufmantel nicht fest mit dem System verbunden war. Daher wurde er nun festgelötet. Diese Gewehre bekamen einen Körnerpunkt auf die Systemhülse. Auch die Patrone 88, die ja ebenfalls eine Neuentwicklung war, wurde überarbeitet. Schon 1895 bekamen viele Gewehre Systeme aus widerstandsfähigerem Krupp-Stahl, diese bekamen "n.m." (Neues Material) auf die linke Systemseite gestempelt.


Abb. 1: Oben Gew. 88 alter Bauart; unten Gew.88 umgerüstet auf die neue "S"-Patrone;
mit Aussparung im Hülsenkopf und Halterungen für den Ladestreifen.

1889 wurde die Einführung des Gewehres M88 in Bayern genehmigt, aber erst ab 1890 eingeführt. In der bayerischen Gewehrfabrik Amberg (vgl. Abb. 2) wurden ab 1889 bis zur Aufnahme der Produktion des neuen Gewehres 98 ab 1902 jährlich ca. 100.000 Gewehre 88 hergestellt und an die bayerische Armee ausgeliefert.


Abb. 2: Hülenkopf mit Stempelung der bayerischen Gewehrfabrik in Amberg.

Das Gewehr 88 stellte bis 1906 die Standardwaffe in der bayerischen Infanterie - unter anderem auch beim königlich bayerischen 17. Infanterie-Regiment - dar.

 

Technische Daten

Gesamtlänge:
1245 mm
mit Bajonett 1500 mm

Gewicht:
(mit leerem Magazin): 3,8 kg

Lauflänge:
740 mm

Kaliber:
7,92 x 57 mm

Munitionszufuhr:
Kastenmagazin, einreihig, Laderahmen und später Ladestreifen (5 Schuss)

Lauf u. System:
4 Züge, Rechtsdrall
Zylinderverschluss mit Kammerstengel

Schussleistung:
Geschossgeschwindigkeit kurz vor der Mündung (V°) = 620m
Gesamtschussweite ca. 4000m bei Lauferhöhung von 32°.
Theoretische max. Visierentfernung = 2050 m (siehe Abb. rechts)
 

 

Zubehör

  Seitengewehr M 1871

Das Seitengewehr M1871 wurde ursprünglich 1876 als Seitengewehr unter der Bezeichnung M/69nM für das Gewehr Werder M69nM eingeführt; dazu wurden von der bayerischen Armee 25 000 Stück dieses Bajonetts von Weyersberg&Stamm gekauft. Die Scheide war aus Leder mit Messingbeschlägen; ca. 1914 gab es auch solche mit eisernen Beschlägen. Am 21.04.1879 wurde vom kgl. Bay. Kriegsministerium die Anschaffung von SG M1871 mit Säge genehmigt; ab 1879 bis 1882 wurde dieses Seitengewehr M71Säge für 6 % des Gesamtbestandes eingeführt. Lieferanten waren R.Coppel und Gebr. Weyersberg (6 000 Stück); es besitzt 22 Doppelsägezähne (vor 1879 waren es 27 Doppelsägezähne bei den preuss. Mustern). Ab 1888 erfolgte eine Wiedereinführung des SG M1871, als es auf das Gewehr M88 geändert wurde.
Abmessungen:
Gesamtlänge ohne Scheide 600 mm, Klingenlänge 470 mm, Gewicht ohne Scheide 725 g.

 

Patronentaschen

Die auf das Gewehr 88 aptierten Patronentaschen Modell 1887 fassen je 3 Laderahmen mit insgesamt 15 Schuss. Aufgrund der unbefriedigenden Munitionsmenge wurden 1895 größere Patronentaschen eingeführt, welche nun jeweils 3 Schachtel zu 15 Patronen fassten. Die bei Unteroffizieren wenig beliebten "Umzugskoffer" wurden gerne wieder gegen vorgenanntes Modell getauscht. Beide Modelle blieben bis in den ersten Weltkrieg hinein Teil der Koppelausrüstung. Normalerweise wurde links und rechts des Kastenschlosses jeweils eine Patronentasche getragen.

Abb. rechts: Patronentaschen 87 und Laderahmen
 

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